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    Das Tagebuch von Alfred Meschenmoser


 
Tagebuch schreiben - Eine Große Gefahr
Dieses Büchlein begleitete mich von der Einberufung zum Wehrdienst im Dezember 1941 bis zur Rückkehr ins Zivilleben im Juli 1945. Das Büchlein war recht stabil, auch wenn es heute etwas ramponiert aussieht. Ich hatte es stets dabei, im Brotbeutel.
Ein Kriegstagebuch zu führen, das war streng verboten. Und dieses Verbot war auch verständlich. Fiele dem Feind ein solches Kriegstagebuch in die Hand, so hätte dem Feind dies nutzen, der eigenen Sache hätte es entsprechend schaden können.
Der Tagebuchschreiber war ein Pionier. Hätte er in seinem Tagebuch berichtet, er habe Minen verlegt, gegebenenfalls noch an welchem Ort und von welcher Minensorte und in welcher Stückzahl, dann hätte der Feind gewußt, wo er was mit welchem Suchgerät und mit welchem Zeitaufwand hätte suchen müssen. Das war mir durchaus bewußt, und deshalb berichtete ich im Tagebuch über solche Dinge nur in groben Zügen.
Auch mit Namensangaben war ich im Tagebuch sparsam, vor allem mit Namen von Gruppen-, Zug- und Kompanieführer. Es hätte ja sein können, daß mit dem Tagebuch auch solche Vorgesetzten in Feindeshand fielen. Dann hätte der Feind Hinweise gehabt, diese Vorgesetzten speziell zu belangen. Das wollte ich natürlich nicht. Und so verhielt ich mich auch beim Tagebuchführen.
Man sollte geübt sein im Tagebuchführen, das war ich. Andernfalls fand man später, beim "Entziffern" so mancher Notizen, nicht mehr "den Faden". Man mußte zäh sein, wollte man ein Tagebuch führen:

Unter einem Dach genauso wie unter freiem Himmel.
Mit sauberen Händen genauso wie mit schmutzigen Händen
Ausgeruht oder verschwitzt vor körperlicher Überanstengung.
Mit Zeit zum Überlegen oder gehetzt vom Aufbruch.
Nachts nach der Wache, wenn die Anderen schliefen, oder am hellen Mittag.
 
Innerhalb vieler Monate ließ ich nur wenige Tage aus. Im Laufe der Jahre muß es vielen Kameraden bekannt geworden sein, daß ich Kriegstagebuch führte. Offenkundig hielten die Kameraden das nicht für so wichtig. Niemand nahm Anstoß. Niemand zeigte mich gar an.
 
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© 1993 - 2014 Verkehrswerkstatt
Autor: Alfred Meschenmoser, Essen
verantwortlich: Dr. Helmut Meschenmoser
aktualisiert: 19.5.2000

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