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Die erste Fahrt mit dem "Adler"
Ein fiktiver Bericht über eine
der ersten Fahrten mit der Eisenbahn zwischen Fürth und Nürnberg
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Da kam endlich der Vater
wieder. |
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"Wie war es? Erzähle
uns von der Fahrt mit der Eisenbahn!", riefen die beiden Kinder
des Bauern Kraicher, als der Vater mit den beiden leeren großen
Körben den Hof erreichte. "Halt, lasst mich erst einmal abstellen
und verschnaufen" wehrt der Vater lachend ab. Doch Gertrud redet
weiter auf ihn ein: "Stimmt es, dass es gar keine Dampfmaschine
ist, welche die Wagen auf der Schiene zieht? Der alte Karl sagt,
er glaubt nicht an das, was die Leute über diese Maschine alles
erzählen!" |
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Der Bauer schmunzelt:
"Doch, er wird es wohl glauben müssen, ich habe es ja heute selbst
erlebt!" |
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Was für ein dummes Zeug
wurde über die Bahn erzählt, die einige reiche Kaufleute zwischen
der stolzen Stadt Nürnberg und Fürth angelegt hatten. Einige Ärzte,
sogar berühmte Doktoren aus München, sagten jedem, der mit der Bahn
fahren würde schlimme Gehirnkrankheiten voraus. Eine Lungenentzündung
durch den Fahrtwind würden sich alle holen, die mit vollkommen wahnsinniger
Geschwindigkeit von dreißig oder gar vierzig Stundenkilometern durch
die Gegend rasen würden. Der giftige Qualm
aus der Lokomotive würde die Menschen und das Vieh vergiften. Viele
Bauern fürchteten um ihre Kühe, die auf Weiden neben der Bahn weideten.
Die Fuhrleute und Pferdeknechte hatten Angst um ihre Arbeitsplätze,
die Wirte an den Poststationen um ihre Gäste. Ein Pfarrer in der
kleinen Stadt Schwabach hatte von der Kanzel gegen die Eisenbahn
geschimpft: "Die Eisenbahn ist ein Teufelsding, sie kommt aus der
Hölle, und jeder der mit ihr fährt, kommt geradezu in die Hölle
hinein!" |
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"Wie sieht denn die,
wie heißt die Maschine nochmal ... Lokomotive, wie sieht sie eigentlich
aus?", fragt jetzt der Sohn Paul, der aufmerksam die Fahrkarte beguckt
hatte, die der Vater ihm in die Hand gedrückt hatte. |
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"Oh, das ist schwer zu
erzählen", entgegnet der Vater. "Sie hat sechs Räder, auf jeder
Seite zwei kleinere und in der Mitte ein
großes. Oben drüber liegt ein großer runder Kessel, an dem vorne
ein großes Rohr befestigt ist. Nach oben ragt es, ein
Schornstein, aus dem ständig große Rauchwolken
dringen. An der Seite sind die Räder mit Stangen verbunden,
die in einem schwarzen Kasten enden und
sich hin und her bewegen, wenn die Bahn fährt. Wie das genau geht,
weiß ich auch nicht", gesteht Vater Kraicher. |
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"Ist denn jemand an dem
giftigen Qualm gestorben?", fragt Gertrud ängstlich. |
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"Nein", lacht der Vater
wieder: "Niemand ist gestorben, manchmal ist es unangenehm, es stinkt
auch, aber sonst passiert nichts". |
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"Und wo hast du während
der Fahrt gesessen?", will nun Paul wissen. |
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"Oh, es gibt drei verschiedene
Wagen. Der erste ist wie eine Postkutsche,
ganz geschlossen, mit weichen, gepolsterten Sitzen. Der
zweite ist an der Seite offen und der
dritte ist ohne Dach mit Holzbänken. Da bin ich mit gefahren,
weil die anderen für uns zu teuer sind. Aber alle Wagen und auch
die Lokomotive sind schön bunt angestrichen. Lokomotive und Wagen
stehen auf blanken Schienen aus Eisen, die auf Steinen festgeschraubt
sind". |
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"Und wie geht es bei
der Eisenbahnfahrt zu?", will auch Gertrud wissen. |
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"Zuerst muss du dir eine
Fahrkarte kaufen!", antwortete der Vater, "dann musst du an den
Zug gehen. Ein Mann fordert dan alle zum Besteigen des Zuges auf.
Er passt auf, dass alle anderen zurücktreten und läutet eine Glocke.
Dann kommt der Lokomotivführer. Er kommt
aus England und hat einen feierlichen Zylinder auf. Auf der Lokomotive
hat sein Gehilfe unter dem großen Kessel
ein starkes Feuer mit den Steinkohlen gemacht. Der schaufelt immer
neue Kohlen in ein Loch, das mit einer Klappe verschlossen werden
kann. Dann wird es ernst. Der Mann am Zug winkt mit einer Fahne
und pfeift laut. Von der Lokomotive wird auch ein schriller Pfiff
ausgestoßen, an der Seite kommt jetzt weißer Dampf heraus, man hört
Zischen und Schnaufen. Ganz langsam merkt man, das die Bahn losfährt.
Immer schneller wird der Zug. Die Bäume und die Häuser sausen vorbei.
Alle Fahrgäste freuen sich, dass die Bahn so ruhig fährt. Keinem
wird es schlecht, obwohl einige noch ganz ängstlich geguckt haben,
als es losging. Nichts Schreckliches geschieht und eh ich mich recht
versehen hatte, waren wir schon in Nürnberg". |
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"War es zurück genauso?",
will Paul wissen. |
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"Nein", erzählt der Vater,
"zurück wurde ein anderer Zug von vier Pferden gezogen. Die Lokomotive
war leider schon vorher zurückgefahren. Das ging viel langsamer,
war aber immer noch ruhiger und bequemer als mit der alten Postkutsche.
Vielleicht gibt es bald ja noch mehr Lokomotiven". |
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"Ich will auch mit dem
Zug fahren!", rufen beide Kinder fast gleichzeitig. |
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Text von Gerhard H.
Duismann, Lübeck 2001 |
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Schlagwörter:
Verkehr, Transport, Geschichte, Technik, Eisenbahn, Konstruktion,
Unterricht, Bildung, Schule, Unterrichtsvorbereitung, Adler, Bericht,
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Heiko Rockel
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aktualisiert: 29.10.2003 |
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