Projektidee
Was sehen wir? Was sehen andere? Mit diesen
scheinbar einfachen Fragen beschäftigten sich vier Schüler
der Arno-Fuchs-Schule zwei Monate lang. Manche werden sich fragen,
wie man mit so einem Thema mehrere Wochen arbeiten kann. Hat nicht
jeder zwei Augen? Egal wer? Also sieht doch auch jeder Mensch das
gleiche. Zumindest, wenn man nicht farben- oder auch gänzlich
blind ist. Doch das Ziel war ein anderes als das bloße „Sehen
von Dingen“.
Mit Hilfe digitaler Foto- und Videokameras versetzten sich die vier
in die Sehwelt ihrer Mitschüler. Alle haben unterschiedliche
Augenhöhen,
zum einen bedingt durch ihre Größe, zum anderen aber auch
bedingt durch ihre Körperhaltung oder auch das Sitzen im Rollstuhl,
wie es bei einer Schülerin der Fall ist. Durch das Projekt sollten
sie gegenseitig ihre physischen Augenhöhen mit Hilfe der digitalen
Technik erforschen, sich aber dadurch auf sozialer Ebene mit anderen „Größeren“ und „Kleineren“ identifizieren,
sich in sie hineinversetzen, andere Perspektiven kennen lernen, Mitmenschen
akzeptieren und sich selbst reflektieren. Ferner sollte auch dargestellt
werden, dass jeder Schüler seine eigenen ganz wichtigen Orte in
der Schule hat.
Zusammenfassend geben folgende Punkte eine kurze Übersicht
der einzelnen Projektschritte:
- Erlernen der Foto- und Videokamerabedienung als Grundvoraussetzung
sowie Erprobung als Werkzeug zur Mitteilung eigener Eindrücke
- Aufnahme von persönlich bedeutsamen Orten in der Schule in
eigener Augenhöhe
- Fotografieren aus dem Blickwinkel eines schwerstbehinderten Mitschülers,
dessen Blick durch seine Spastik permanent nach oben gerichtet ist
- Aufnahmen aus allen erprobten Blickrichtungen und –höhen
an einem gemeinsamen Treffpunkt
- Aufnahme von Videosequenzen beim Gang / bei der Fahrt durch die
Schule
- Präsentation der Fotos und Videos in einer Installation, die
die jeweilige Augenhöhe wiedergibt.
Da hatte sich das Team so einiges für die nächsten acht
Wochen vorgenommen.
Doch beginnen wir am Anfang. Die Schüler mussten in das Vorhaben
nach und nach eingeführt werden. Dazu gehört als Basis
selbstverständlich das eigene Wahrnehmen seiner Körpergröße
und die daraus resultierende Augenhöhe.
Sicher: Objektiv betrachtet macht es keinen Unterschied, ob man einige
Zentimeter größer oder kleiner ist als andere. Durch die
Beschaffenheit des menschlichen Auges vermögen wir durchaus
sehr weitwinklig zu sehen, so dass das Gesehene nicht zwangsläufig
von den unterschiedlichen Größen zweier Personen abhängt.
Doch spielte in diesem Projekt wie bereits erwähnt der soziale
Aspekt die tragendere Rolle. Somit wurde die Aufgabenstellung für
die Schüler vereinfacht und das Blickfeld mit Hilfe eines „Rahmens“ aus
Fotopappe auf das Wesentliche reduziert. Durch diese so genannte „Brille“,
welche an einem Stab in Augenhöhe befestigt wurde, konnten sie
die Umgebung wie auf einem Foto betrachten. Und durch diese Einschränkung
des Blickfeldes sahen sie tatsächlich unterschiedliche Dinge.
Einiges blieb Größeren verborgen, was aber die Kleineren
sehen konnten (z.B. wenn man vor einem Tisch steht) und anders herum.
Die Anfertigung der „Brillen“ und das Erkunden der Schulumgebung
dienten somit als Einführung in das Projekt. Fertig gerüstet
konnten die Fotografen auf Motivsuche durch die Schule wandern, teilweise
mit verwunderten oder auch skeptischen Blicken beäugt. Was soll
man schon davon halten wenn man so einer Gruppe begegnet:
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