|
Ein Besuch mit der Klasse
in der Hörsaalruine
des Medizinhistorischen Museums der Charité zur Ausstellung
Red Dye No.2
Am Abbautag meiner Installation in der geschichtsträchtigen
Hörsaalruine treffe ich mich dort mit der Klasse. Die Arbeit
besteht aus rot-transparenten Mülleimerbeuteln, die – mit
Luft gefüllt, zusammengeknotet, verflochten – an Organe
und Nervenbahnen, an Körperinneres und Körperkreislauf
erinnern. Durch eingearbeitete Lampen werden die Objekte von innen
beleuchtet. Einige sind in ständiger Bewegung, sie drehen
sich auf Plattenspielern oder werden von kleinen Motoren in Gang
gehalten. Zur Arbeit gehört eine Klangcollage von Kai-Annett
Becker.
Die Lebensmittelfarbe Red Dye No.2 wurde jahrzehntelang in z.B.
Marmeladen, Getränken, Lippenstiften und Süßigkeiten
eingesetzt, bevor sie 1976 als krebserzeugend verboten wurde (zehn
Jahre lang gab es deshalb keine roten M&Ms).

in der Hörsaalruine der Charité, die Installation
Red Dye No.2
Die Kinder stürmen den Raum sofort als riesengroße Spielwiese,
lassen sich auf die
Objekte fallen. Irgendwie verständlich – es erinnert
an die Ikea-Spielkiste mit den bunten Bällen... Sie müssen
sich hinsetzen – hat schon jemand Erfahrung mit Kunst? H.
war vor kurzem mit seinen Eltern in der MoMa-Ausstellung. Er erzählt
von den Wärtern, von der Stille, alle standen ehrfürchtig
vor den Bildern. Ich schildere andere Kunstformen – Installationen...Dann
die Frage: „Sind Sie denn Künstlerin?“

Was löst die Arbeit aus?
Die Kinder kommen von selbst auf das Thema der Installation, es
geht auch um die Farbe Rot – gleichzeitig symbolisiert sie
Wut, Hass und auf der anderen Seite Liebe, Leidenschaft. Wie würde
alles wirken, wenn es gelb wäre? Warum Müllbeutel? Ihnen
fällt
eine ganze Menge ein...
Kann man von Kunst leben? Warum machen Sie Kunst? Warum malt Ihr denn ein Bild?
Plötzlich funktioniert hier etwas, es werden Fragen gestellt, die neue
Fragen nach sich ziehen. Nicht immer gibt es eindeutige Antworten. Es geht
um Neugierde, um Emotionen, ums Forschen.
Solche Momente hätte ich mir in diesem Projekt öfter gewünscht.
Warum funktioniert es plötzlich erst hier, ausserhalb der Schule, in einem
Raum, den die Kinder nicht kennen? Vielleicht wäre mit dieser Gruppe eine
direkte körperliche Arbeit mit unmittelbar sinnlicher Erfahrung, wie z.B.
Theaterspiel, befriedigender gewesen?
|