Kinder machen Kunst mit Medien
Kinder machen Kunst mit Medien
Was ich mag und was ich hasse ..........
Eine Rauminstallation entsteht

von Martina Becker



ein Projekt mit der Klasse 5a von Martina Becker an der Hunsrück-Grundschule in Kreuzberg

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Am Anfang war
Konzeption
ich mag am liebsten und ich mag am wenigsten ....
das erste Treffen
in der Hörsaalruine
 
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Impressum
 

Da einen Tag später schon das erste Treffen stattfindet, bleibt nichts anderes übrig, als anzufangen, obwohl das eigentliche Ziel – die Installation – in Frage gestellt scheint.

Jeden Tag schreiben zwei Schüler ein „Tagebuch“.
Bei der ersten Begegnung im Computerraum erzählen sich die Kinder gegenseitig, was sie sehr mögen – Lieblingsfarben, -wochentage, -essen, -zahl, -stadt, -land, -film. Im Anschluß daran erkläre ich die Kameras. Wir gehen raus aus der Schule, jede/r soll Ausschau halten nach Dingen, die er/sie mag oder nicht mag und fotografieren.
Sofort gibt es Probleme mit den Jungen – trotz vorher abgesprochenen Regeln und deer Vereinbarung, zusammen zu bleiben, sind sie schwer zu disziplinieren, streiten sich um die Kameras. Immer wieder müssen sie zur Ordnung gerufen werden, rennen in alle Richtungen. Die Lehrerin will kurz vorher noch etwas in der Schule erledigen, sie wird nachkommen. Ich bin allein mit der wissenschaftlichen Begleiterin, wir bemühen uns nach Kräften, die Kinder zusammenzuhalten. Vor allem einer der Jungen schlägt völlig über die Stränge, beansprucht die völlige Aufmerksamkeit.
Um alle Kinder an einem Ort zu versammeln, erlaube ich ihnen, ein Eis zu kaufen. G., eines der Mädchen, ist in Tränen aufgelöst, weil sie sich kein Eis leisten kann und H. sie angeblich deshalb gehänselt hat. Jetzt ist die Lehrerin da und nach einem eindringlichen Appell setzen wir den Weg fort. Tatsächlich entstehen einige schöne Fotos. Doch U. ist noch immer nicht zu bändigen, schlägt sich mit seinen Mitschülern, verschwindet in einem Handygeschäft. Die Lehrerin staucht ihn zusammen, er fängt an, vor Wut zu weinen, fühlt sich ungerecht behandelt.
Wir gehen zurück zur Schule.
Der nächste Tag beginnt mit dem Vorlesen der Tagebücher. Wir sprechen noch einmal über die Erlebnisse des Vortages, die Jungs versprechen „Besserung“. Die Kinder haben einen Gegenstand, den sie lieben und einen, den sie hassen, mitgebracht. M. kommt zu spät, hat seine Gegenstände vergessen. Er wird wieder nach hause geschickt und bringt als „Hassgegenstand“ seinen Wecker mit. Alle lachen – ein entspannter Moment. Ich atme auf, an diesem Morgen sind die Kinder konzentriert bei der Sache, hören sich gegenseitig zu. Jedes erzählt über Erlebnisse mit der Lieblingspuppe, dem Torhandschuh, dem Fußball....
Der Ort für die Installation ist noch immer unklar – der Schulleiter schlägt den Innenhof vor. Ich kann mir die fragilen Objekte in dem hohen Raum schwer vorstellen, denke über eine Lösung nach. Die Objekte müssten kompakter gehängt werden, vielleicht in einem Mobile. Noch einmal eine Diskussion mit dem Schulleiter wegen dem Feuerschutz, er lässt sich auch von dem Argument, dass die Objekte ausser Reichweite der Schüler hängen, nicht überzeugen.
Objekte ausser Reichweite der Schüler hängen, nicht überzeugen.
Ich möchte den Kindern – vielleicht auch mir selbst - in dieser Situation ein Ergebnis bieten und entschließe mich deshalb, mit ihnen eine Powerpoint-Animation zu erstellen.

Powerpoint - Screenshots

Kurz nach Beginn der Arbeiten entdeckt die Lehrerin bei einer Schülerin Läuse, den Rest des Vormittags ist sie damit beschäftigt, mit den Eltern zu telefonieren und das Mädchen nach hause zu schicken.
Wieder gibt es Schwierigkeiten mit der Disziplin – zwei der Schüler sind sofort fertig mit ihrer Aufgabe. Noch mehr als nötig zu machen weigern sie sich und surfen im Internet, was die anderen ablenkt. Ich bitte sie, denen, die noch nicht so weit sind, zu helfen, was sie aber nicht einsehen. Sobald ich mich mit einem Kind allein beschäftige, geht es voran, dann stören jedoch die anderen. Auch beim Fotografieren der Gegenstände dasselbe Problem.



Nach einem schwierig-chaotischen Vormittag mit den Kindern in der neuen Schule verabrede ich mit der Lehrerin, die Gruppe zu teilen. Sie soll beim nächsten Treffen einen Teil der Gruppe beschäftigen, mit den anderen werde ich arbeiten.
Durch einen tragischen Unglücksfall kommt sie jedoch nicht wieder – ein anderer Lehrer kann nicht für das Projekt abgestellt werden. Allein kann ich mit den Kindern nicht die Schule verlassen, dadurch fällt die Idee mit den Passanteninterviews flach.
Mit Theo Sarkatis verabrede ich, dass wir die Gruppe getrennt betreuen, was ganz gut klappt. Im Nebenraum macht er Videointerviews zum Thema mit ihnen, während ich mit den anderen im Computerraum arbeite. In der kleinen Gruppe sind Gespräche und konzentriertes Arbeiten endlich einmal möglich.



Per mail erfahre ich, dass der für die Installation vorgesehene Innenraum zur Schuleröffnung nicht fertig wird, daher dürfen wir die Objekte dort nicht hängen. Im Flur, der anfangs vorgesehen war, wird eine Ausstellung zur Geschichte der Schule gehängt.



Tisch mit den laminierten Objekten

Mittlerweile bin ich von dem ewigen hin und her ziemlich entnervt, fühle mich mit den Problemen allein gelassen. Später erfahre ich, dass die Vorbehalte gegenüber dem Kubim-Projekt schon eine längere Geschichte haben. Anscheinend bin ich zwischen Fronten geraten, niemand scheint sich mehr wirklich verantwortlich zu fühlen.

Überlegungen, das Projekt abzubrechen, werden von der Projektleitung diskutiert und abgelehnt. Den Schülern wäre dies auch schwer zu vermitteln gewesen.
Nach einem Gespräch der Projektleitung mit dem Schulleiter gibt er grünes Licht für die Laminierfolien. Die Objekte können wir in einem abgeschlossenen Teil des Flurs hängen.

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