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Da einen Tag später schon das erste
Treffen stattfindet, bleibt nichts anderes übrig, als anzufangen,
obwohl das eigentliche Ziel – die Installation – in
Frage gestellt scheint.
Jeden Tag schreiben zwei Schüler ein „Tagebuch“.
Bei der ersten Begegnung im Computerraum erzählen sich die
Kinder gegenseitig, was sie sehr mögen – Lieblingsfarben,
-wochentage, -essen, -zahl, -stadt, -land, -film. Im Anschluß daran
erkläre ich die Kameras. Wir gehen raus aus der Schule, jede/r
soll Ausschau halten nach Dingen, die er/sie mag oder nicht mag
und fotografieren.
Sofort gibt es Probleme mit den Jungen – trotz vorher abgesprochenen
Regeln und deer Vereinbarung, zusammen zu bleiben, sind sie schwer
zu disziplinieren, streiten sich um die Kameras. Immer wieder müssen
sie zur Ordnung gerufen werden, rennen in alle Richtungen. Die
Lehrerin will kurz vorher noch etwas in der Schule erledigen, sie
wird nachkommen. Ich bin allein mit der wissenschaftlichen Begleiterin,
wir bemühen uns nach Kräften, die Kinder zusammenzuhalten.
Vor allem einer der Jungen schlägt völlig über die
Stränge, beansprucht die völlige Aufmerksamkeit.
Um alle Kinder an einem Ort zu versammeln, erlaube ich ihnen, ein
Eis zu kaufen. G., eines der Mädchen, ist in Tränen aufgelöst,
weil sie sich kein Eis leisten kann und H. sie angeblich deshalb
gehänselt hat. Jetzt ist die Lehrerin da und nach einem eindringlichen
Appell setzen wir den Weg fort. Tatsächlich entstehen einige
schöne Fotos. Doch U. ist noch immer nicht zu bändigen,
schlägt sich mit seinen Mitschülern, verschwindet in
einem Handygeschäft. Die Lehrerin staucht ihn zusammen, er
fängt an, vor Wut zu weinen, fühlt sich ungerecht behandelt.
Wir gehen zurück zur Schule.
Der nächste Tag beginnt mit dem Vorlesen der Tagebücher.
Wir sprechen noch einmal über die Erlebnisse des Vortages,
die Jungs versprechen „Besserung“. Die Kinder haben
einen Gegenstand, den sie lieben und einen, den sie hassen, mitgebracht.
M. kommt zu spät, hat seine Gegenstände vergessen. Er
wird wieder nach hause geschickt und bringt als „Hassgegenstand“ seinen
Wecker mit. Alle lachen – ein entspannter Moment. Ich atme
auf, an diesem Morgen sind die Kinder konzentriert bei der Sache,
hören sich gegenseitig zu. Jedes erzählt über Erlebnisse
mit der Lieblingspuppe, dem Torhandschuh, dem Fußball....
Der Ort für die Installation ist noch immer unklar – der
Schulleiter schlägt den Innenhof vor. Ich kann mir die fragilen
Objekte in dem hohen Raum schwer vorstellen, denke über eine
Lösung nach. Die Objekte müssten kompakter gehängt
werden, vielleicht in einem Mobile. Noch einmal eine Diskussion
mit dem Schulleiter wegen dem Feuerschutz, er lässt sich auch
von dem Argument, dass die Objekte ausser Reichweite der Schüler
hängen, nicht überzeugen.
Objekte ausser Reichweite der Schüler hängen, nicht überzeugen.
Ich möchte den Kindern – vielleicht auch mir selbst
- in dieser Situation ein Ergebnis bieten und entschließe
mich deshalb, mit ihnen eine Powerpoint-Animation zu erstellen.
Powerpoint - Screenshots
Kurz nach Beginn der Arbeiten
entdeckt die Lehrerin bei einer Schülerin Läuse, den Rest des Vormittags ist
sie damit beschäftigt, mit den Eltern zu telefonieren und
das Mädchen nach hause zu schicken.
Wieder gibt es Schwierigkeiten mit der Disziplin – zwei der
Schüler sind sofort fertig mit ihrer Aufgabe. Noch mehr als
nötig zu machen weigern sie sich und surfen im Internet, was
die anderen ablenkt. Ich bitte sie, denen, die noch nicht so weit
sind, zu helfen, was sie aber nicht einsehen. Sobald ich mich mit
einem Kind allein beschäftige, geht es voran, dann stören
jedoch die anderen. Auch beim Fotografieren der Gegenstände
dasselbe Problem.

Nach einem schwierig-chaotischen Vormittag mit den Kindern in der
neuen Schule verabrede ich mit der Lehrerin, die Gruppe zu teilen.
Sie soll beim nächsten Treffen einen Teil der Gruppe beschäftigen,
mit den anderen werde ich arbeiten.
Durch einen tragischen Unglücksfall kommt sie jedoch nicht wieder – ein
anderer Lehrer kann nicht für
das Projekt abgestellt werden. Allein kann ich mit den Kindern
nicht die Schule verlassen, dadurch fällt die Idee mit den
Passanteninterviews flach.
Mit Theo Sarkatis verabrede ich, dass wir die Gruppe getrennt betreuen,
was ganz gut klappt. Im Nebenraum macht er Videointerviews zum
Thema mit ihnen, während ich mit den anderen im Computerraum
arbeite. In der kleinen Gruppe sind Gespräche und konzentriertes
Arbeiten endlich einmal möglich.

Per mail erfahre ich, dass der für die Installation vorgesehene
Innenraum zur Schuleröffnung nicht fertig wird, daher dürfen
wir die Objekte dort nicht hängen. Im Flur, der anfangs vorgesehen
war, wird eine Ausstellung zur Geschichte der Schule gehängt.
Tisch mit den laminierten Objekten
Mittlerweile bin ich von dem ewigen hin
und her ziemlich entnervt, fühle mich mit den Problemen allein gelassen. Später
erfahre ich, dass die Vorbehalte gegenüber dem Kubim-Projekt
schon eine längere Geschichte haben. Anscheinend bin ich zwischen
Fronten geraten, niemand scheint sich mehr wirklich verantwortlich
zu fühlen.
Überlegungen, das Projekt abzubrechen, werden von der Projektleitung
diskutiert und abgelehnt. Den Schülern wäre dies auch
schwer zu vermitteln gewesen.
Nach einem Gespräch der Projektleitung mit dem Schulleiter
gibt er grünes Licht für die Laminierfolien. Die Objekte
können wir in einem abgeschlossenen Teil des Flurs hängen.
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