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Kinder machen Kunst mit Medien
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| Coole Ladies,
Muskelmänner |
Kinder machen Trickfilme
von Sigrid Lemm |
Besonders aufgefallen ist mir, dass viele Mädchen einem sehr starren
Frauenbild anhängen. Die Frauen und Mädchen in dem Film sind überaus
schlank gezeichnet. Sie sind schön frisiert und topmodisch angezogen.
Sie bewegen sich elegant und ich glaube, sie würden lieber im
Boden versinken, als etwas Peinliches zu tun. Ihre Sprünge ins
Wasser sind vollendet schön, ihre Bewegungen perfekt. In allen
Situationen sind sie vollkommen cool, wirken unabhängig und selbstbewusst.
So stellt man sich Frauen vor, die Körbe verteilen, reihenweise.
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| Die Liegewiese. Buntstifte auf Papier.
Hintergrund für die Trickfilmfolien |
Es wurden keine
Familien gezeichnet, was ich sehr bemerkenswert finde. In dem Film
kommen Individuen vor.
Es werden keine Beziehungen dargestellt. Jede Figur macht was sie
möchte.
Ich liebe diese Ladies und hab das auch während der Arbeit an dem Film immer
wieder gezeigt. Ich mag den Manierismus nicht, weil er eitel ist und sich selber
feiert und ich mag ihn, weil er und auf dem Höhepunkt seiner Form verliert,
denn wohin soll er sich noch entwickeln?
Eine Trickfilm- oder Cartoonfigur sollte ganz klar dargestellt werden.
Die Ladies in dem Film sind klar und eindeutig. Sie wirken dabei
auch zerbrechlich und verletzlich.
Ich versuchte während der Zeichenarbeiten andere Frauenbilder zu provozieren.
Es interessierte mich zu erfahren, ob hinter den perfekten Fassaden der Figuren – oder
in der Vorstellung der Zeichnerinnen- vielleicht nicht doch Frauenbilder aus
Fleisch und Blut existieren.
Ich diskutierte mit den Mädchen über dieses Frauenbild. Ein Mädchen
wollte etwas dick geratene Oberschenkel ausradieren und schlanker zeichnen. Ich
fragte das Mädchen, was ihr denn an diesen Beinen nicht gefällt. „Sie
sind zu dick, das sieht nicht schön aus“, sagte sie. Nach gemeinschaftlicher
Diskussion, ich beteiligte noch andere Schülerinnen und die Lehrerin, wurden
die (dicken) Beine so gelassen.
Ich regte eine kleine Szene an: Ein Mädchen im Wasser könnte kurz untertauchen,
schlug ich vor. Das ist eine Szene, wie sie im Schwimmbad oft vorkommt und – vor
allem ist sie ganz schnell und einfach zu zeichnen. Ich sprach darüber mit
einem Mädchen, das mich auch gefragt hatte, was es noch zeichnen könnte.
Ihre Figuren waren immer ganz besonders schmal und elegant. |
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Nasse Haare sehen imm ungünstig aus |
„Das mache ich nicht“, sagte sie. „Das will ich nicht.“ Oft äußern
sich Kinder so, weil es ihnen unangenehm ist einzugestehen, dass sie
nicht wissen, wie sie eine Aufgabe lösen sollen. Ich wunderte
mich, weil diese Animation sehr leicht zu zeichnen war und dieses Mädchen
bereits sehr schwierige Szenen gezeichnet hat. Nach einiger Zeit kam
heraus, dass die Schülerin diese Szene nicht zeichnen wollte,
weil sie dann ein Mädchen mit zerstörter Frisur darstellen
müsste. |
Stört mich nicht.
Ich genieße.

Fast noch mehr als die coolen Ladies liebe ich den Bademeister in diesem
Film. Auch er ist eine Reduzierung auf ein Klischee. Der Bademeister
ist ein roher Geselle. Sein Körper rot, sonnenverbrannt – wohl
eher, weil die Farbmischung etwas ins Auge gegangen ist. Sein Körper
ist mit Muskelbergen überzogen. Viel im Hirn hat er nicht, aber
er ist sportlich. Das ist ein Mann, den Frauen mögen, fanden wir
und amüsierten uns als er entstand und noch mehr, als er sich
bewegte.
Eine wirklich positive Figur ist die „nette Bademeisterin“.
Eine Elfe, eine Fee eine liebe und schön junge Frau. Eine, die
man gern als Partnerin hätte. Eine die versteht und tröstet
und pustet, wenn´ s irgendwo weh tut. Aber leider, leider....die
Schönen und Guten bekommen immer die anderen ab. So geht es auch
Rudi. Letztlich hat er nicht viel von ihrer kurzen Erscheinung. Ihre
Funktion im Film beschränkt sich auf folgende Mitteilung: „Rudi,
du bist nicht in meiner Schwimmgruppe. Warte hier auf den Bademeister.“
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