Kinder machen Kunst mit Medien
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Was hat in unserem Projekt nicht geklappt?
Wie realisiert man einen Trickfilm?
 
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Impressum
Was hat in unserem Projekt nicht geklappt?
Kinder machen Trickfilme
von Sigrid Lemm

Der Trickfilm „Angst vorm 3meterbrett“ ist fast 9 Minuten lang. Das ist für einen Trickfilm ungeheuer viel. Wir hatten für die Realisierung sehr wenig Zeit. Die Zeichnungen und Folienbilder wurden von den Kindern in etwas mehr als drei Wochen hergestellt. Ich habe dann anschließend, wann immer möglich und passend, Zeichnungen auf dem Kopierer verkleinert oder vergrößert, vieles ausgeschnitten. Durch diesen Trick mussten die Kinder nicht ganz so viel zeichnen.
Leider haben wir uns für die Arbeit in der Trickfilmwerkstatt einen ungünstigen Zeitraum ausgesucht. Ausgerechnet an dem Tag, als die erste Schülergruppe zum Zeichnen in die Trickfilmwerkstatt kommen sollte, brannte ein S-Bahn Zug in der Station Anhalter Bahnhof aus. Die Folge für unser Projekt war leider, dass die Kinder viel zu spät in die Werkstatt gekommen sind und darüber hinaus, in den Wochen darauf, durch den Pendelverkehr die ohnehin knappe Zeit sehr geschmälert wurde.

Durch den engen Zeitplan waren die Kinder nicht so stark mit dem Projekt vertraut.
Besser ist es, wenn die Kinder genau wissen, wie weit das Projekt ist und an welcher Szene sie gerade arbeiten.
Für meine eigenen Ideen von einer Trickfilmwerkstatt hatte ich viel zu sehr die Fäden in der Hand. Die Kinder wussten oft nicht, an welcher Stelle des Films ihre Szene zu sehen sein würde, ob sie wichtig ist oder eine Randszene. Von unserem Zeitrahmen her gesehen war das gar nicht anders machbar.
Den Film habe ich alleine abgefilmt und geschnitten. Ich habe den Kindern gezeigt, wie man mit der Technik umgeht. Zum Abfilmen waren auch Kinder an zwei Tagen in der Werkstatt. Vor allem damit sie erfuhren, was mit ihren Zeichnungen im weiteren Verlauf passiert.
So kam es, dass die Kinder von mir am Ende einen perfekten Film erwartet haben.
Wenn sie tatsächlich selber abgefilmt hätten und an der Postproduktion beteiligt gewesen wären, hätten sie erfahren, wie viele Schwierigkeiten in den letzten Arbeitsphasen aufgetreten waren. Einige Folien waren in der Eile von der falschen Seite ausgemalt worden. Einige Animationssequenzen waren nur unvollständig gezeichnet worden.
Ich habe komplettiert, was aus Zeitmangel schief gelaufen war. Ich wollte eine unfreiwillige Komik im Film vermeiden. Eine Figur z.B. hielt ein Eis in der Hand. Mal war das Eis da und mal war es vergessen worden.
Als Fazit würde ich sagen, ich werde in Zukunft Kinder bei größeren Filmprojekten bis zum Schluss an der Arbeit beteiligen.
An Projekttagen in meiner Werkstatt wird es nach wie vor so sein, dass ich nach den zwei oder drei Tagen das Schneiden des Materials übernehme, denn an den wenigen Tagen, die die Schüler normalerweise in der Trickfilmwerkstatt verbringen, sollen sie vor allem Zeit haben zum Zeichnen und Animieren.
Um eine Zeitvorstellung zu geben: Die Arbeit an unserem Film „Angst vorm 3meterbrett“ hätte bei , entspannter Arbeit, unter Beteiligung der Kinder bis zum letzten Arbeitsschritt, ein dreiviertel Jahr gedauert.
Bei der Premiere des Films waren die Kinder sehr kritisch. Sie bemängelten die Flecken auf den Folien, waren etwas erschrocken ihre Stimmen in Kombination mit Trickfilmfiguren zu hören. Ein Mädchen war enttäuscht, dass der Film „nur“ 8 Minuten lang ist. Dabei hatte ich immer wieder gesagt, dass es schon eine Leistung ist, einen Film von einer Minute herzustellen.
Ich habe mit den Kindern anschließend über ihre Bemerkungen gesprochen. Bei diesen Gesprächen wurde deutlich, dass die Kinder während des ersten Sehens spontan reagiert hatten.
Ich habe ca. 400 Stunden an dem Trickfilm gearbeitet. Das soll aber nicht Lehrer oder Schüler abhalten ein Trickfilmprojekt zu starten. Man kann auch mit wesentlich geringerem Aufwand auskommen.


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