Kinder machen Kunst mit Medien
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Dokumentation als pdf (285 KB)
 
Impressum
Die leisen Stimmen
Kinder machen Trickfilme
von Sigrid Lemm

Ein Schulprojekt, das über einen längeren Zeitraum realisiert wird, bietet die Gelegenheit mit den Kindern auf besondere Art zu arbeiten.
Mir war aufgefallen, dass einige Kinder in der Klasse sehr, sehr leise reden. Einige sind kaum zu verstehen. Ich machte der Klassenlehrerin den Vorschlag gerade diese Kinder die Texte einsprechen zu lassen.
Ich habe die Kinder, an die ich dabei gedacht hatte, gefragt, wer gerne mit mir Atem- und Stimmübungen machen möchte. Die Kinder wollten gerne mitmachen. (Eine willkommene Unterrichtsunterbrechung).
Ich zeigte den Kindern einige Übungen, die den Atem ruhiger und die Stimme etwas voller klingen lassen.
Mich haben zwei Dinge sehr erstaunt. Kinder machen einige dieser Übungen intuitiv. Manchmal musste ich den Verlauf der Übungen kaum erklären.
Zum anderen war der Erfolg der Übungen sofort hörbar. Schon dadurch, dass sie ihre Füße bewusst fest auf den Boden stellen und tiefer atmen, klingen die Stimmen lauter.
Wir hatten an dem Tag nicht die große Raumauswahl. Darum gehören an diese Stelle des Textes zwei Bemerkungen. Der Raum in dem Atem- und Stimmübungen gemacht werden, sollte Fenster haben, die sich öffnen lasen. Frische Luft ist unbedingt notwendig. Man sollte Hocker haben, (keine Rückenlehnen). Drehstühle sind gänzlich ungeeignet, weil die Kinder gerade und ruhig sitzen sollten. Auch bringen Drehstühle oder -hocker mit sich, dass sich der Beginn der Übungen um mindestens 15 Minuten verzögert.
Bei intensiverer Atem-, Stimmarbeit können, gerade bei Kindern, Symptome des Hyperventilierens auftreten. Nicht so massiv, wie man es aus den Medien kennt, aber den Kindern könnte etwas schwindelig werden.
Es ist also wichtig, die Kinder während der Übungen im Auge zu behalten, sie vor den Übungen dazu aufzufordern auch auf sie selbst zu achten. Bei einem Schwindelgefühl ist es wichtig Arme und Beine schnell zu bewegen, zu hüpfen, damit der Körper mehr Sauerstoff verbraucht.
Ich setze die Übungen immer sehr vorsichtig ein und achte darauf, dass sich die Kinder nicht überfordern und arbeite mit den Kindern nicht länger als 15 – 20 Minuten.

Die große Überraschung dieses Projektes ist für mich ein Junge, der im Unterricht fast unhörbar leise sprach.
Dieser Junge hat sich das Trickfilmprojekt wirklich angeeignet und das hätte ich von ihm nicht erwartet.
Er hat auch immer von „unserem“ Projekt gesprochen. Ich weiß leider nicht, wann das Trickfilmprojekt sein Projekt geworden ist. Vielleicht war es der Tag, an dem er in der Trickfilmwerkstatt war und seine erste eigene Animation gezeichnet hat.
Dieser Junge, mit der leisen Stimme, wollte unbedingt den rücksichtslosen und lauten Vater sprechen. (Die Vaterrolle in dem Film ist sehr negativ gezeichnet. Ein Mann der seinen Sohn stets überfordert.)
Der Junge hat um diese Rolle gekämpft. Er hat gesagt, er übt den Text auch zuhause.
Die Klasse hat aber trotzdem entschieden, dass ein anderer Junge diese Rolle sprechen soll.
Als der von der Klasse bestimmte Junge am Aufnahmetag krank war, hat der Junge seine Traumrolle gesprochen und er hat das wirklich gut gemacht.

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