Kinder machen Kunst mit Medien
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Impressum
Die Pflicht ruft
Kinder machen Trickfilme
von Sigrid Lemm

Ein anderes Kind hat die Arbeiten, die es angefangen hat, immer sehr ernst genommen. Es hat mit sehr viel Freude gezeichnet. Ihre Bilder sind prägend für den Film. Ich habe den Kindern immer wieder gesagt, dass sie, wenn Sequenzen sehr langwierig sind, pausieren können. Sie sollen dafür sorgen, dass ihnen der Spaß am Trickfilm erhalten bleibt.
Gegenüber der wissenschaftlichen Begleitung äußerte M. einmal, dass sie nicht mehr gerne zeichnet, was sie gerade macht.
Mir gegenüber hat M. das nicht zugegeben. M. hat sich keine andere Tätigkeit gesucht, mich nicht um eine andre Aufgabe gebeten. M. hat mit zusammengebissenen Zähnen weiter gearbeitet.
Als ich von Ms Problem erfuhr (aber nicht durch M.) bot ich ihr an, erst mal etwas anderes zu machen. M. lehnte das entschieden ab.
Ich habe mit M. sehr häufig über den Begriff Pflicht gesprochen.
Ich habe M. gesagt, dass ich glaube, dass man Dinge nur gut tut, die man gerne macht. In einem Trickfilmprojekt gibt es viele verschiedene Aufgaben. Das beste ist, man sorgt für Abwechselung - oder hilft ab du zu bei anderen mit.
M. ist, was ihre Zeichnungen angeht, sehr selbstbewusst. M. zeichnet gerne und denkt sich sehr extreme und witzige Charaktere aus. M. war einer der wichtigsten Zeichnerinnen an dem Film und ich glaube, der Film hat M. auch viel bedeutet. Die Langeweile anfangs entstand durch die Langwierigkeit der Animation und ihre Unfähigkeit die monotone Arbeit aufzulockern.
Phasenzeichnungen

Ich habe dieses Thema in unserer Runde direkt angesprochen und M. sagte, es ist schon gut. „Ich macht das weiter, woran ich das letzte Mal gezeichnet habe. (Das war nun gerade das, was M. eigentlich nicht wollte.) Ich habe M. eine andere Aufgabe angeboten. M. lächelte, bei der Vorstellung genau das andere jetzt gleich tun zu dürfen. M. unterdrückte aber ihre Reaktion und sagte: „Nein. Ich mache erst mal das von gestern zu Ende“.
Ich sagte M., dass ich gesehen habe, dass sie gerade gelächelt hat. „Du möchtest doch bestimmt viel lieber machen, was ich gerade vorgeschlagen habe?“ M. lächelte kurz, weil sie sich offenbar freute erkannt worden zu sein, blieb aber fest bei ihrer Pflicht.

„Soll ich dir sagen, was du jetzt tun sollst?“ fragte ich M. „Ja“, sagte M. und dachte wohl, eine höhere Instanz entbindet sie von ihrer Pflicht und trägt ihr eine andere (schönere) Aufgabe auf. Das habe ich aber nicht sofort getan. Um M. etwas aus der Reserve zulocken sagte ich: „Gut. Ich sage dir.......du machst die Zeichnungen von gestern weiter.“ Die Lehrerin lachte darüber und M. sagte ganz ergeben: „o.k.“
Ich musste nun auch etwas lachen und entband M. von ihrer Pflicht.


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