Kinder machen Kunst
mit Medien
Erstes Resümee der beteiligten Kollegen der Carl-von-Linné-Schule für Körperbehinderte bis Ende 2003

G. Draeger, G. Jesch, F. Schirmer



Reflexion und Debatte

Impressum

Beim Einsatz von Medien im künstlerischen Bereich suchten wir eine geeignete Klasse im Grundschulalter, deren Fähigkeiten und Fertigkeiten wir über drei Schuljahre begleitend dokumentieren können. Kreativ und aufnahmebereit sollten die Schüler/innen sein. Wir entschieden uns für die Klasse 4a, die wir so bis zur 6. Klasse begleiten werden.

Im Vordergrund des Projektes „Kinder machen Kunst mit Medien" steht in der ausgewählten Klasse das Theaterspielen, die Begegnung mit anderen Menschen und das miteinander Umgehen. Der Deutsch-, Musik-, Englisch-, Kunstunterricht und das Darstellende Spiel unterstützt dieses Vorhaben, da die am Projekt beteiligten Kollegen/innen diese Fächer in der ausgewählten Klasse unterrichten.

Um unseren Schülerinnen und Schülern ein hohes Wissen, gute Fähigkeiten und Fertigkeiten im Medienbereich mit auf den Weg zu geben, suchten wir nach einem außerschulischen Partner, der unsere Arbeit mit dieser Grundschulklasse pädagogisch und medienkompetent unterstützt. Für die Förderung der Selbstständigkeit unserer Schüler/innen ist es ebenfalls sehr wichtig, sich auch außerhalb des Schulgeländes zu bewegen. Zu Beginn der Projektarbeit befanden sich drei Rollstuhlkinder in dieser Klasse, somit wählten wir als freien Träger das behindertengerecht ausgestattete Labor für Kunst und Medien im FEZ-Wuhlheide.

Im ersten Projekt: „Digitales Bellen in gelber Stadt“ mussten unsere Schüler/innen fremde Hundebesitzer ansprechen, sie interviewen, filmen und fotografieren. Im Anschluss daran bearbeiteten sie das gesammelte Material am Computer. Hierbei erhielten sie hervorragende Anleitung und Unterstützung durch die Kollegen vom FEZ-Wuhlheide, die die Ergebnisse auf einer CD-ROM als Dokumentation zusammenfassten. Die Schüler/innen waren mit Begeisterung dabei, gingen ohne Hemmungen auf Fremde zu, zeigten viel Kreativität und konnten die Aufgaben gut erfassen und umsetzen.

Im zweiten Projekt: „Zaubermeister Zarobald“ zeigten sich bereits erste Probleme aber weniger im Medienbereich, sondern eher im Umgang miteinander und im Vereinnahmen der Kollegen vom FEZ-Wuhlheide. Unsere Schüler/innen kannten sich nun bereits vor Ort gut aus, kannten die Kollegen und verloren somit manche Hemmschwelle. Immer wieder mussten wir, als begleitende Kollegen/innen eingreifen und unsere Schüler/innen zur Disziplin und Höflichkeit Erwachsenen und Mitschülern gegenüber auffordern. Die Gestaltung der Zeichentricks und den Umgang mit der Technik bewältigten sie ohne Probleme.

Beim dritten Projekt: „Klasse Fahrt von OSTKREUZ nach OSTBAHNHOF“ mussten die Schüler/innen wiederum in die Öffentlichkeit gehen. Dabei sprachen sie Passanten auf den Bahnsteigen an und baten diese um Mitarbeit. Auch das klappte gut. Erst bei der schon fast routinemäßigen Bearbeitung des Foto- und Filmmaterials zeigten sich wieder Auffälligkeiten im Sozialverhalten, besonders die starke Ich-bezogenheit und mangelnde Kooperationsbereitschaft jedes Einzelnen.

Immer häufiger führten wir auch außerhalb der Projekte Gespräche zu ihrem Verhalten. Wir inszenierten kleine Interaktionsspiele, um ihnen bestimmte Verhaltensmuster bewusst vor Augen zu führen sowie ihre Wahrnehmung zu schärfen und mehr Rücksicht auf andere zu nehmen.

Das vierte Projekt: „Little Red Riding Hood" vertiefte die Anwendung des Scannens und der Trickfilmherstellung. Auch hier hatten die Schüler/innen keine Schwierigkeiten. Es machte ihnen großen Spaß, die einzelnen Szenen mit viel Ausdauer gestalterisch umzusetzen. Nur durften keine Arbeitspausen entstehen, dann waren sie kaum in der Lage, ohne zu stören auf die Erläuterung des nächsten Arbeitsschrittes zu warten.

Im Mittelpunkt des in diesem Jahr letzten Projekts stand ein Kaufhaus als Begegnungsstätte. Dieses Projekt wurde unmittelbar nach den Herbstferien durchgeführt. Die Schüler/innen waren kaum bereit, sich auf ein gemeinsames Arbeiten einzulassen, sodass die Kollegen vom FEZ-Wuhlheide ihnen eindeutig klarmachen mussten, dass sie unter diesen Umständen nicht bereit sind, weiterhin mit ihnen zusammenzuarbeiten. Erst jetzt wurde unseren Schülern bewusst, dass ihr Auftreten von anderen Mitmenschen so nicht akzeptiert wird. Sie versuchten an den letzten zwei Tagen des Projektes, ihr Verhalten zu ändern.

In späteren Gesprächen mit den Schülern zeigte sich, dass ihnen doch bewusst ist, welch große Möglichkeit sie durch das KuBiM- Projekt haben. Sie sind stolz auf die Ergebnisse ihrer Arbeit, denn auch Schüler/innen, die durch ihre Behinderung stark in ihrer Motorik beeinflusst sind, zeigten hier eine andere Beweglichkeit.
Für die nächstfolgenden Projekte müssen wir uns Themen und Arbeitswege überlegen, die unseren Schülern helfen, sich zurück zu nehmen, ihre Mitmenschen stärker zu akzeptieren und trotzdem bei ihnen ein selbstbewusstes Auftreten fördern. Hierbei ist es wichtig, sie stärker in die Planung einzubeziehen und ihr erworbenes Wissen und den Umgang mit der Technik weiter zu vertiefen.

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