Kinder machen Kunst
mit Medien

Außerschulische Partner fallen nicht vom Himmel

Sabine Scholze und Heike Ziegler

Aspekte der Übertragbarkeit von Projektergebnissen


Reflexion und Debatte

Impressum
In den letzten zwei Jahren haben wir an unserer Schule mit verschiedenen außerschulischen PartnerInnen in unterschiedlichen Projekten die Licht- aber auch die Schattenseiten einer solchen Kooperation kennen gelernt.

Fazit bis hierher: die viele Zeit, der hohe organisatorische Aufwand und die Veränderung des gewohnten Schulalltages durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen PartnerInnen lohnen sich!

Kooperation gelang immer dann, wenn beide Partner die Zusammenarbeit wollten, sie als wertvoll betrachteten und aufeinander zugingen. Öffnung und Kooperation sind für andere Formen des Lernens in der Schule erforderlich und wirken sich positiv auf unsere SchülerInnen aus.

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit einer Schule mit außer-schulischen Partnern?

  • Weiterentwicklung und Ergänzung der unterrichtlichen Angebote sowie die Erschließung neuer Lernformen
  • „Expertenwissen“ von Personen außerhalb der Schule
  • Zugang zu anderen Bevölkerungsgruppen – Vielzahl von Lebensmodellen
  • Unterstützung bei der Bewältigung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben durch Personen von außen
  • Positive öffentliche Wahrnehmung der eigenen Schule und Verbesserung ihres Rufes nach innen und außen.

Was aber haben wir als Schule für außerschulische PartnerInnen zu bieten? In den ausführlichen Auswertungsrunden wurden hier folgende Punkte genannt:

  • Möglichkeit zur Übernahme von eigener Verantwortung zur Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen
  • Ergänzung und Weiterentwicklung ihrer Angebote sowie Erschließung neuer Aufgabenfelder
  • Möglichkeit zur Werbung und Selbstdarstellung
  • Realisierung eines neuen Profils, konzeptionelle Differenzierung
  • Möglichkeiten zur Mitwirkung bei der Gestaltung und Entwicklung von Schule.
Wie kommt man nun zu außerschulischen PartnerInnen? Wir haben auf sehr unterschiedliche Weise unsere Kooperationspartner gefunden: Wir wurden zum Beispiel von Künstlern gefragt, ob wir Lust hätten, gemeinsame Projekte zu realisieren. Angeregt wurden sie durch unsere Schulhomepage, auf der unser künstlerisches Profil und die Integration behinderter Kinder in den Schulalltag genau beschrieben sind. Dies wird aber sicherlich die Ausnahme bleiben. In unseren anderen Projekten haben wir auf vielfältige Weise versucht, die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zu organisieren und voranzubringen. So wurden uns Künstler von dem an unserer Schule tätigen Fipp-Verein empfohlen, da dieser freie Träger bereits gute Erfahrungen mit ihnen gemacht hatte. Ein anderes Projekt ergab sich aus der Zusammenarbeit mit einer Mutti, die sowohl ihr Kind an unserer Schule hatte aber auch gleichzeitig Künstlerin ist. Auch aufgrund persönlicher Kontakte von KollegInnen unserer Schule mit Künstlern entstanden Projektideen und schließlich gemeinsame Umsetzungen. Kunstvereine und Medienkompetenzzentren sind derzeit unsere engsten Partner auf der Suche nach geeigneten Partnern.

Im Ergebnis der Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern möchten wir nun versuchen, ein projektübergreifendes und für ein Gelingen der Kooperation notwendiges Bedingungsgefüge zu skizzieren

1. Projektidee
  • Geht es um eine einmalige Aktion oder ist die Kooperation für einen längeren Zeitraum gedacht?
  • Wer kann neben dem Kooperationspartner dieses Projekt noch unterstützen? (Schulleitung, KollegInnen, Eltern, Vereine, Freie Träger.....)
  • Wie erfolgt das Bekanntmachen des Projektes? (innerhalb der Schule, evtl. Genehmigung der Eltern einholen, sind Stundenplanänderungen nötig, welche Exkursionen sind geplant, wie erfolgt die Finanzierung?)
  • Was ist die Idee, die hinter dem Projekt steckt?
  • Welche Projekte laufen ansonsten in der Schule? (Vermeidung von Doppelbelastung bei SchülerInnen und LehreInnen)

2. Zielsetzung, Planung und Vorbereitung

  • Festschreiben der Eckpunkte des Projektes in einer Kooperationsvereinbarung zwischen Schule und außerschulischem Partner.
  • Klare Festlegung der Aufgabenbereiche aller Projektbeteiligten und regelmäßiger Informationsaustausch. (u.a. Organisationsplan als Zeitleiste im Klassenraum)
  • Welcher Zeitrahmen ist für die Informations- und Materialbeschaffung vorgesehen, wie lange dauert die konkrete Umsetzung des Projektes, welches Ergebnis ist vorgesehen und auf welche Weise soll es präsentiert werden?
  • Wie informieren wir alle vom Projekt betroffenen Personen? (in der Klasse unterrichtende Lehrerinnen, Erzieher )
  • Wie viel Zeit benötigen wir? Wann muss das Projekt abgeschlossen sein?
  • Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung, was muss noch organisiert oder beschafft werden? (Ausstattung der Schule mit Computern, Druckern, digitaler Kamera, Scanner, räumliche Situation, Arbeitsmaterialien usw.)
  • Kooperation benötigt finanzielle Ressourcen, erforderliche Mittel müssen berechnet und von den Partner eingeplant werden- evtl. Bündelung von Finanzmitteln prüfen!
  • Wo wird dieses Projekt in der Öffentlichkeit bekannt gemacht? (Welche Erlaubnis wird wofür benötigt? Elterninfo und Erlaubnis über evtl. Veröffentlichung im Internet)
  • Wer übernimmt eigenverantwortlich welchen Anteil im Projekt? Sind die dafür notwendigen Kompetenzen ausreichend?

3. Durchführung

  • Ausgehend vom Projektschwerpunkt werden Teilschritte und Ziele geplant.
  • Eine detailierte Raumplanung ist nötig, ggf. Absprachen mit anderen KollegInnen
  • Wer ist für welchen Teilabschnitt im Projekt verantwortlich?
  • Wie erfolgt die gegenseitige Absprache, wenn in Gruppen gearbeitet wird?
  • Wie und von wem werden die nächsten Schritte organisiert?
  • Was ist zu tun, wenn es Störungen während der Zusammenarbeit im Projekt gibt?

4. Präsentation des Projektergebnisses

  • Wo soll die Präsentation des Ergebnisses stattfinden?
  • Wer soll dazu eingeladen werden? ( Eltern, Schulöffentlichkeit, Schulumfeld, Schulträger, Sponsoren, Freie Träger, Presse.....)
  • Wie soll darüber informiert werden? (Ankündigung in den Medien, Einladungen versenden, Plakate erstellen...)
  • Einstellen der Ergebnisse in die Homepage der Schule
  • Würdigung des gemeinsamen Projektes von Schule mit außerschulischen Partnern ist auch als Festveranstaltung oder Teil einer solchen möglich.

5. Projektreflexion

  • Sind die Erwartungen der LehrerInnen und der außerschulischen Partner erfüllt worden?
  • Wie wird der Zuwachs an Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten bei den SchülerInnen eingeschätzt?
  • Sind aus dem Projekt heraus neue Ideen entstanden?
  • Welche Probleme sind aufgetaucht und welche Schlussfolgerungen werden für künftige Projekte gezogen?
  • Woran lag es, dass bestimmte Ziele nicht erreicht wurden?
  • Was sollte beim nächsten Projekt anders gemacht werden?
  • Wie wird die Kooperation von den beteiligten Gruppen eingeschätzt? Welche Kooperationsstrukturen wurden entwickelt und welche haben sich bewährt?

6. Projektdokumentation

  • Es sind bereits vor Projektbeginn gemeinsame Überlegungen für eine geeignete Form der Dokumentation anzustellen. Es sind gleichzeitig Verantwortlichkeiten hierfür festzulegen.
  • Diese Dokumentation kann als Projektmappe in Aufsätzen, Berichten, Fotos, Zeichnungen, Videoaufnahmen u.v.m. angelegt werden.
  • Vor Projektbeginn sind die Verantwortlichkeiten für die Dokumentation festzulegen, eine Aufteilung der Dokumentation ist möglich.

In unseren durchgeführten Projekten haben wir auch Lehrgeld zahlen müssen. Alles, was nicht vorher genau abgesprochen und mit Verantwortlichkeiten festgelegt wurde, blieb zum Schluss an uns LehrerInnen hängen. Das wird uns aber nicht davon abhalten, auch künftig Projekte mit außerschulischen Partnern durchzuführen. Wir werden uns jedoch in der Vorbereitungsphase mehr Zeit nehmen, um das Projekt genauer und strukturierter zu planen.

Diese Projekte haben nicht nur unseren SchülerInnen gefallen und so manches unentdeckte Talent hervorgebracht, auch für uns LehrerInnen waren sie trotz des immensen Aufwandes an Kraft und Zeit eine willkommene Abwechslung und Bereicherung in unserem Schulalltag.

 
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