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Das
Projekt "Pegasus" lief vom September 1995 bis Mai 1998.
Es begann ursprünglich mit einem Wahlpflichtkurs Deutsch der
10. Klassenstufe. Die 16 dort beteiligten Schülerinnen wollten
einen Horror-Kriminalroman schreiben. Der leitende Lehrer hatte
Angst, daß dabei die Bildung auf der Strecke bleiben würde,
und forderte deshalb, daß der Roman wie alle guten Schauerromane
Anfang des 19. Jahrhunderts (aus einem ganz bestimmten Grund im
schicksalsträchtigen Jahr 1817) und obendrein in Schottland
spielen sollte. Das machte es nötig, den topographischen, literarischen,
geistesgeschichtlichen wie historischen Hintergrund mit den Schülerinnen
eingehend zu erarbeiten - dem Bildungsziel war somit Genüge
getan - das entstehende Buch war vom Lehrer ursprünglich sozusagen
nur als "Seitenprodukt" intendiert gewesen.
Im ersten und einzigen rein unterrichtlichen
Jahr des Projektes gelang die Vermittlung der erwähnten komplexen
Hintergründe, und parallel dazu wurde der Roman in sämtlichen
Grundzügen und bereits vielen seiner Details "rückwärts"
entworfen. Die erste Klausur,
die in jenem Semester geschrieben werden mußte, drehte sich
folgerichtig um das Thema Romantik, und sie wurde stilvoll, woran
sich alle Beteiligten gerne erinnern, bei Kerzenlicht geschrieben
... Das Jahr schloß damit, daß bereits die erste Version
einiger weniger Romanpassagen in Hausaufgabe formuliert werden konnte,
deren gemeinsame Gesamtlänge allerdings kaum 3 Prozent des
späteren Werkes umfaßte, und von denen kaum ein Wort
mehr im endgültigen Roman zu finden ist..
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Original Buchrücken
und -deckel ... |
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Kurz vor der großen
Pause ...
gleich geht der Ansturm los ... |
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Die 97 restlichen Prozent des Romans wurden
in den folgenden drei Jahren von vier Schülerinnen und dem
leitenden Lehrer, der inzwischen erkannt hatte, daß das ursprünglich
intendierte "Seitenprodukt Buch" doch ein besseres Schicksal
verdient hatte, im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft sehr arbeitsintensiv
weitergeschrieben, aufgefüllt und fertiggestellt, cirka 15
bis 20 Mal überarbeitet und stilistisch angeglichen, so daß
der Text schließlich wirkte wie von einer einzigen
Hand gefertigt.
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"Pegasus" war letztlich, als
er nach drei Jahren fertig war, ein Roman von über 750 Seiten
Umfang, mit 30 Illustrationen (für Beispiele hier
klicken), mit einem fast 200seitigen angeschlossenen wissenschaftlichen
Apparat (für eine Probe hier klicken).
"Pegasus" war - nicht zuletzt dank der Bemühungen
eines beteiligten Vaters - auf wertvollem Papier gedruckt, er war
- hard cover - wahrhaftig luxuriös in rotes Leinen gebunden,
mit einem Pegasus in Goldprägung auf dem Deckel und einem kostbaren
Buchrücken versehen. Dank des Sponsering des betreffenden Vaters
gelang es, die Kosten eines Exemplars, das ursprünglich etwa
bei 100 Mark gelegen hätte, auf einen Selbstkostenpreis von
schließlich 34 Mark zu reduzieren.
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"Pegasus" war in einer limitierten
und numerierten Stückzahl von 125 Exemplaren vom leitenden Lehrer
vorfinanziert worden - ein ziemliches Risiko, da niemand sagen konnte,
wieviele Exemplare tatsächlich gekauft werden würden, obwohl
es in einer letzten Phase kurz vor dem geplanten Verkauf doch eine Reihe
von Vorbestellungen gab. Die Vorfinanzierung durch die Schule selbst war
von dieser abgelehnt worden. Die 125 Bücher wurden dann letztlich
(siehe Fotos dieser Seite) in einer einzigen 20-Minuten-Pause im Foyer
der Schule an einem stilvoll dafür hergerichteten Verkaufstisch und
unter Beigabe einer handsignierten Besitzurkunde restlos verkauft, und
es stellte sich heraus, daß viel mehr Bücher davon hätten
gedruckt werden können.
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Dreimal kamen Reporter und Fotografen in unsere
Schule, und "Nordberliner",
"Tagesspiegel"
und "Berliner Kurier"
berichteten (in dieser Reihenfolge) über unser "Werk" .
Das schönste war das Feedback durch die
Leser. Das Urteil war einhellig positiv. Es gab zwei, drei Stimmen, denen
der traurige Schluß nicht gefiel, denen wurde erklärt, daß
auch unter dem Einfluß von Hollywood eine Happy-ending-Garantie
für Literatur generell nicht gegeben werden könne.
Immer wieder wurde der leitende Lehrer von Schülern
und Eltern, auch außerschulischen Personen, angesprochen, die das
Buch gelesen hatten: Das sei so gut, das müsse man unbedingt einem
Verlag anbieten. Nun gab es gerade damals im SPIEGEL einen großen,
hochgradig abschreckenden Artikel, der unter dem Titel "Schreib den
Mist um" dringend davon abriet, so etwas zu tun. Jeder große
Verlag bekäme tagtäglich 30 bis 40 unverlangt eingesandte Manuskripte,
die könne niemand dort lesen, die landeten gewöhnlich im Papierkorb
oder würden bestenfalls zurückgeschickt, wenn genügend
Porto dabei war.
So dauerte es ein gutes halbes Jahr, bis der
Lehrer das Wagnis einging - aber damit begann ein Abenteuer, das gehört
nicht mehr wirklich zu "Pegasus", sondern schon in das Kapitel
"Dorothea S. Baltenstein".
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